Freitag, 17.01.2020 23:17 Uhr

Ist das noch Punkrock?

Verantwortlicher Autor: Thomas Schuster München, 31.03.2019, 19:20 Uhr
Presse-Ressort von: Thomas Schuster Bericht 3504x gelesen
Hosen-Film
Hosen-Film  Bild: Pressefoto Band

München [ENA] Bekanntlich gibt es nicht viel auf dieser Welt, woran man sich halten kann. Liebe, Punkrock, die Toten Hosen. In dieser Reihenfolge gelingt das "Durchschlängeln" bis in das eigene hohe Alter eigentlich ganz gut und wenn es dabei einem launigen Road-Movie zur Laune der NaTour bedarf... dann gerne.

Ernsthaft? 110 Minuten Filmstoff nach mittlerweile fast zwei Jahren mehr oder weniger ununterbrochener Tour? Von einer Band, die Live-Konzerte im Regelfall zelebriert und selten die Bühne unter einer Spielzeit von Minimum 150 Minuten verlässt. Und wo ist das obligatorische "You`ll never walk alone" am Ende? Da fällt der Abschied vom bequemen Kino-Sessel, inkl. Popcorn und der 1-Liter Pulle Cola, schwer und entwickelt sich zu einem sentimentalen Ausnahmezustand, was gleichzeitig Campino, Andi, Breiti, Kuddel und dem fünften Anhängsel in der trauten Runde (= Schlagzeuger Ritchie Vom) ziemlich egal sein dürfte. Womit? Völlig zu Recht, denn die Doku hält alle Versprechen.

Wie ein typisches Hosen-Album brettert "Weil Du nur einmal lebst" über die Kinoleinwand. Direkt, ehrlich, zweideutig, nachdenklich, laut, natürlich auch ein klein wenig kommerziell. Dort wo die Hosen seit vielen Jahren angekommen sind, hagelt es nun auch einmal Preise, Auszeichnungen und - wie hier - filmfördernde Unterstützung. Doch das, was auf der Berliner Berlinale seinen Anfang fand, gefällt auch den Fans. Irgendwie faszinierend und bezeichnend, doch auch dieser Spagat gelingt - vielleicht gerade DAS Aushängeschild der Toten Hosen seit Anbeginn der Zeit des Aufstieges. Sicher eines der Geheimrezepte: die Band hat nie vergessen, wo die eigenen Wurzeln zu finden sind.

Exakt dies wird eindrucksvoll und immer wieder unter Beweis gestellt. Nicht beim (vorläufigen) Höhepunkt der Tour in der "Homebase"-Stadt Düsseldorf, sondern eher bei der ständig wiederkehrenden Stippvisite nach Argentinien. Vor allem aber an einem unverhofft rauen, schmutzigen Back-to-the-Roots Abend im Berliner Musik-Club SO36 - einem der letzten "echten" Punkrock-Schuppen seiner Art und damit irgendwie auf Augenhöhe mit einer Band, die sich den Charme und die Offenheit der Anfangsjahre in Teilen erstaunlich leger erhalten hat.

Die Eingangsfrage ist damit schnell beantwortet. Natürlich ist das noch Punkrock! In Teilbereichen sicher gesitteter und vorhersehbarer, als es die junge Garde an Bands (z.B. Feine Sahne Fischfilet) zum Teil zelebriert, aber nicht minder unterhaltsamer, politisch eindeutig und nachhaltig. Hier segelt eine Band nicht "Unter falscher Flagge", sondern werkelt weiter am Prädikat "Unsterblich". Exakt dafür lohnt es sich, einmal ganz einfach nur Danke zu sagen. Bis zum bitteren Ende.

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